Ein Denkmal für die Opfer des Massakers von Poing

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27.04.2010: Gedenkstunde und feierliche Einweihung eines Gedenksteins am 65. Jahrestag des Massakers an KZ Häftlingen in Oberbayern
Am 27.4.1945  wurden am Bahnhof der  Gemeinde Poing bei München 50 Häftlinge ermordet, die mit dem so genannten Todeszug von der KZ Außenstelle Mühldorf nach Dachau „evakuiert“ werden sollten.

 

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Das Massaker von Poing
Im  April 1945 wurde die KZ-Außenstelle Mühldorf aufgelöst, etwa 3.600  Häftlinge wurden mit der  Bahn Richtung München/Dachau transportiert. Am Morgen des 27. April 1945 blieb der Todeszug in Poing wegen technischer Probleme liegen. Als sich am Nachmittag unter der Wachmannschaft das Gerücht verbreitete, der Krieg sei zu Ende, begannen sie die Wagentüren zu öffnen. Die entkräfteten KZ-Häftlinge verließen den Zug und versuchten die Flucht. Doch ein Luftwaffenleutnant alarmierte eine in der Nähe befindliche SS-Einheit; Soldaten und Zivilisten trieben mit äußerster Brutalität die Häftlinge zurück. Nur eine Stunde dauerte der Ausbruch. Dabei kamen 50 Menschen ums Leben, 200 wurden verletzt. Doch 250 Häftlingen gelang die Flucht. Sie erhielten Lebensmittel, Kleidung, Geld von der Bevölkerung, einige wurden von mutigen Bauern  versteckt.

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65 Jahre später wurde  in einer  Feierstunde am Ort der Gräuel ein Gedenkstein enthüllt. Der sozialdemokratische Bürgermeister Albert Hingerl der 13.000 Einwohner-Gemeinde löste sein Versprechen ein, den weißen Fleck in der Gemeindechronik zu schließen.   

Zirka 150 Bürger Poings und der umliegenden Orte wohnten einer würdevollen, emotionalen Feier bei. Die Ansprachen zweier Zeitzeugen bildeten den Höhepunkt:
Dr. Max Mannheimer, Maler, Schriftsteller und Überlebender des Massakers schilderte das Geschehene. Er war damals 25 Jahre und todkranker Insasse des Todeszuges, versuchte zu fliehen und kam nur knapp mit dem Leben davon.
Brigitte Dinev, Poinger Urgestein und ver.di-Aktivistin wohnte damals als siebenjähriges Mädel gegenüber dem Bahnhof und berichtete über ihre Erinnerungen: Dünne Gestalten verließen zögernd den Zug, einigen gelang die Flucht, andere wurden in die Waggons zurückgetrieben, erschlagen oder erschossen. Die Beiträge machten deutlich, dass an dem Verbrechen nicht nur Wehrmacht und SS beteiligt waren, sondern auch Poinger Bürger. Hervorgehoben wurden die  Menschen in Poing und Umgebung, die den Geflüchteten Unterschlupf, Nahrung und Schutz gewährten.  In der Regel besonnene, bescheidene Leute, sie später nie viel Aufhebens um ihre Tat machten.

Die Initiative zur Errichtung des Denkmals geht einher mit zwei Aktivitäten von Schülern des Franz-Marc Gymnasiums in der Nachbargemeinde Markt Schwaben. Diese erarbeiteten Dokumentationen „Der Todeszug“ und „Der vergessene Widerstand“  . Anhand der Erinnerungen von Zeitzeugen wurde das Geschehene und insbesondere die Zivilcourage Einzelner greifbar gemacht und ins Bewusstsein eines Teils der Bevölkerung geholt.    

Unter den Anwesenden waren Mitglieder der regionalen DKP und auch Leo Mayer, stellvertretender Vorsitzender der DKP.  
Nach der Segnung des Denkmals durch die katholische und evangelische Geistlichkeit legten die Anwesenden eine weiße Rose am Denkmal nieder.  
Die DKP setzten  (vorher angekündigt und von den Verantwortlichen begrüßt) eine Blumenschale zum Denkmal. Die Kranzschleife trug die Aufschrift: Den Opfern von Krieg und Faschismus – DKP Ebersberg.
Das war dann doch zu konkret:  die Schleife wurde im Anschluss an die Veranstaltung von den Initiatoren entfernt.
Dennoch: Die Errichtung eines Denkmals zur Würdigung von Opfern des Faschismus und der Wille zur kritischen Aufarbeitung der eigenen Geschichte sind in Zeiten wie diesen bemerkenswert. Dem Gemeinderat und allen an der Umsetzung Beteiligten gilt der höchste Respekt.

txt: L.Ch.


 
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